SWISSMAN

Das war einer der epischsten Tage und Wettkämpfe meines Lebens bisher. Der Swissman hat es in sich: anspruchsvoll, wunderschön und unvergesslich.

Der Swissman gehört zur XTRI World Tour (eine Serie von Extreme Triathlon Wettkämpfen). Einen der 250 Startplätze erhält man via Verlosung und man benötigt mindestens einen Supporter, welcher während dem gesamten Tag dabei ist. Ich hatte zwei Marco‘s dabei und schon vorneweg: die Jungs haben einen grossartigen Job gemacht und mich während dem gesamten Tag super unterstützt. Aber eins nach dem anderen.

Der Claim des Swissman ist „From the palm trees to the eternal ice“. Der Startschuss erfolgt vor der Insel von Brissago im Tessin und das Ziel ist auf der Kleinen Scheidegg im Berner Oberland. Alleine das gleist den Wettkampf auf, einer der härtesten und extremsten Triathlons der Welt zu sein. Was er auch ist.

Der Wettkampf beginnt am Freitagnachmittag im Lido von Ascona mit Startnummervergabe, einer Begrüssung und einem kurzen Briefing. Das Wetter war sonnig und heiss, die Stimmung bei uns hervorragend.

Am Samstagmorgen, respektive mitten in der Nacht um circa 03:00 Uhr war ich dann in der Wechselzone meine Radsachen am vorbereiten. Anschliessend ging es zum Schiffssteg von Ascona um auf ein Schiff zu steigen. Das war für mich schon eines der Highlights des Wettkampfes: um 04:00 Uhr, alles noch komplett dunkel, steigt man da auf ein Schiff mit den anderen 239 Athlet*innen, die dieses Jahr dann tatsächlich am Start standen. Die Fahrt raus zu den Inseln von Brissago dauert eine Weile und ich konnte mich mit drei Bekannten austauschen - ein paar dumme Sprüche um die Anspannung etwas zu lockern. Diese Spannung in der Luft und in den Augen der Athlet*innen vor Wettkämpfen ist einfach genial und schwierig zu beschreiben, wenn man das selbst nie erlebt hat. Um 05:00 Uhr fiel dann bei Dämmerung der Startschuss und das Abenteuer Swissman ging offiziell los. Als erstes standen 3.8 Kilometer Schwimmen auf dem Plan. Die Strecke könnte nicht einfacher sein: komplett gerade zurück ins Lido von Ascona. Ich fühlte mich im Wasser sehr gut, fand meinen Rhythmus und profitierte von einem anderen guten Schwimmer. Nach etwas weniger als 58min stieg ich als 5. Overall aus dem Wasser - super happy!

Einer der Marco‘s durfte mir in der Wechselzone helfen, meine Radkleider anzuziehen, was einfacher klingt als es tatsächlich ist, wenn man eine nasse Haut hat. Ich entschied mich für richtige Radkleider um die 180km mit 3‘700hm in Angriff zu nehmen, um maximalen Komfort zu haben. Nach dem Wechsel ging es dann los und ich freute mich auf eine richtig coole Radfahrt. Die Jungs sassen nun im Begleitfahrzeug und warteten an dedizierten Supporter-Stellen auf mich, um mir laufend frische Verpflegung zu geben. Die Strecke verläuft von Ascona zuerst die ganze Leventina hoch bis nach Airolo. Ich wusste, dass es dann später ein richtig heisser Tag werden würde mit rund 36 Grad am Nachmittag, entsprechend freute ich mich darüber, dass zu Beginn noch ganz viel im Schatten mit sehr angenehmen Temperaturen war. Erst kurz vor Airolo war ich dann richtig in der Sonne.

In Airolo ging es dann in den ersten Pass. Die Tremola hoch. Durchgeschüttelt und nicht gerührt kam ich da gut hoch und wir begannen mit Kühlungsmassnahmen, um meine Körpertemperatur auf einem guten Level zu halten. Nach der Abfahrt vom Gotthardpass ging es direkt in den Furka. Da war es dann auch schon ordentlich heiss und ich entschied mich bewusst, konservativ zu fahren. Der Hitze angepasst. Dies erwies sich als absolut richtige Entscheidung. Ich kam in sehr guter Verfassung auf dem Furkapass an und die Jungs warteten mit kühlem Wasser auf mich.

Nach der schnellen Abfahrt nach Gletsch stand noch der dritte Pass an: der Grimsel. Mir ging es physisch gut, merkte aber, dass ich je länger je mehr Mühe hatte mit dem Lärm aller Motorräder und Sportwagen. Zudem überholten mich zwei Polizeiautos mit Blaulicht, was für zusätzlichen Lärm sorgte. Man ist schon einige Stunden im Sattel, hat schon einige Höhenmeter in den Beinen, es ist richtig heiss und dann wird man ständig von lauten Motoren überholt. Das war für mich nicht einfach und ich war froh, als ich den Grimselpass hinter mir hatte. Oben angekommen war ich gerade eine Cola am trinken als auch noch die Rega aufgrund eines verunfallten Motorradfahrers auf der Passstrasse landete. Meine Crew sagte mir ich soll doch sofort losgehen, was ich auch tat.

Die Abfahrt war super, denn sie ist richtig lange und die rund 26km nach Meiringen vergingen wie im Flug. Noch ein letzter kleiner Aufstieg und dann rollte ich schon zum Brienzersee in die zweite Wechselzone, wo die Jungs auf mich warteten. Nach 7h14min hatte ich die Radstrecke hinter mir verbracht, sodass ich nach etwas mehr als 8h30min Wettkampf den Marathon in Angriff nahm.

Der Marathon des Swissman: Start am Brienzersee, südlich dem Brienzersee entlang an den Giessbachfällen vorbei, via Böningen und Wilderswil hoch nach Grindelwald und dann noch hoch in die Kleine Scheidegg. Das sind dann insgesamt rund 2‘000hm die es zu bewältigen gilt.

Ich lief also am Samstagnachmittag los und war gespannt, was mich alles erwartet. Nach 700m schon der erste Aufstieg, und was für einer: Treppen und richtig steil. Da wusste ich schon: das wird spannend und keine leichte Aufgabe. Marschieren gehört zu diesem Wettkampf dazu und ich steuerte mich nach Puls. Ich wollte vermeiden, den Puls unnötig hochzujagen. Ich fand dann aber einen guten Rhythmus und ich hatte Freude an der Laufstrecke. Ich hatte das bergauf und -runter trainiert und meine Beine fühlten sich echt gut an. Ich lief mit einem Trailrucksack, sodass ich immer etwas zum Trinken und Essen bei mir hatte. Nach rund 8.5km stieg dann ein Marco mit dem Gravelbike ein und begleitete mich für die nächsten rund 20km jeden Meter der Strecke. Besonders cool war, dass er eine Soundbox an den Rahmen montiert hatte, sodass er DJ spielen konnte und mich mit guter Musik zusätzlich pushte. Ich lief bis Kilometer 18 eine echt gute Pace, genau im Rahmen den ich mir vorgenommen hatte. Der erste Abschnitt ist dankbar, weil einiges im Schatten war. Auch verlief ein längerer Abschnitt flach dem See entlang. Da waren so viele Leute am Baden und die Sonne am geniessen, und selbst ist man dran eines der härtesten Triathlon-Rennen der Welt ins Ziel zu bringen. Irgendwie fand ich das da ganz cool.

Ab Kilometer 18 merkte ich dann die Hitze und es war auch vorbei mit dem Schatten. Zudem hatte ich den Abschnitt hoch nach Grindelwald unterschätzt. Da gab es doch einige längere Abschnitte auf Landstrassen mit 10-12% Steigung, an der prallen Sonne und mit leichtem Rückenwind. Ich musste da viel Gehen und hatte da meine Probleme mit dem Magen. Ein netter Wirt liess mich die Toilette seines Restaurants nutzen. Das tat gut und ich ging weiter. Es war ein Mix aus marschieren und joggen. Kurz vor Grindelwald löste sich dann aber der Knoten in meinem Magen. Es stand somit nichts mehr im Weg für den Schlussabschnitt.

Der letzte Teil, von Grindelwald in die Kleine Scheidegg, sind 9km mit 1‘000 Höhenmeter. Dieser Abschnitt muss auch zwingend mit dem Supporter gelaufen werden und ein Trailrucksack mit definierten und geprüften Inhalt muss man mittragen. Am frühen Samstagabend ging es also los und wir nahmen die Wanderung - an Laufen war nicht zu denken für mich, zu steil ist es da - in Angriff. Besonders der allererste Abschnitt ist richtig steil und mein Supporter und ich dachten schon, wenn das jetzt alles so ist kommen wir ja nie an. Aber es „flachte“ dann etwas ab. In Erinnerung bleibt mir eine wunderschöne Abendstimmung mit tollem Sonnenuntergang und einer epischen Kulisse mit der Eiger-Nordwand. Das war echt unglaublich. Mit Marco war es zudem sehr unterhaltsam. Nach einigen Malen „wir sind schon fast da“ und „Schau, dort vorne ist doch das Ziel“ kam dann nach rund 2-stündiger Wanderung tatsächlich der magische Moment der Zielankunft. Begrüsst von Kuhglocken erreichte ich als 30. Overall das Ziel nach 15h16min überglücklich.

Was für ein Tag. Was für ein Rennen. Was für ein Erlebnis. Unglaublich dankbar, dass mein Körper sowas leisten kann, dass mein Kopf die mentale Stärke hat die schwierigen Moment zu überstehen und Leute in meinem Leben zu haben, die mich auf solchen Abenteuer unterstützen.

Ich nehme seit über 20 Jahre an Triathlon- und Ausdauersport-Wettkämpfen teil. Der Swissman reiht sich bei mir definitiv auf dem Podest der schönsten Wettkämpfe ein. Ich bin stolz, dass ich bei Tageslicht ins Ziel gekommen bin (Daylight-Finisher) und diesen extremen Triathlon als tolle Erinnerung für immer in mir mittrage.

Am Sonntag ging es dann nochmals hoch in die Kleine Scheidegg (mit der Zahnrad-Bahn…) um beim Finisher-Fest mit Alphörner und dem legendären Finisher-Foto dabei zu sein. Das war ebenfalls ein schöner Moment. Danke an die gesamte Swissman-Organisation und allen freiwilligen Helfer*innen für dieses unvergessliche Erlebnis!

Zurück
Zurück

Race Across Switzerland

Weiter
Weiter

(Fast) alle Jahre wieder - SOLA