Race Across Switzerland
Die letzten drei Jahre stand ich jeweils bei der Tortour an Supported-Rennen am Start. Für dieses Jahr wollte ich mich einer neuen Herausforderung stellen: mein erstes Unsupported Ultracycling-Rennen. Die noch junge Organisation Race Across Series organisiert in einigen europäischen Ländern Unsupported-Events und für das Race Across Switzerland haben sie sich eine ganz schöne Strecke ausgesucht.
Sie haben verschiedene Distanzen im Angebot. Ich entschied mich für die 450km mit 10‘500hm. Start und Ziel in Klosters und einige namhafte Pässe sind dabei: Albula, Reschen, Stelvio, Ofen & Flüela. Plus dann eine Runde rund um Landquart, Chur und Lenzerheide. Das logistisch attraktive dieser Strecke ist, dass man nach rund 300km wieder in Klosters ist und man somit die Möglichkeit hat, dort eine Tasche zu deponieren. Zudem kenne ich praktisch jeden Meter dieser Strecke, da ich seit einigen Jahren auch im Engadin trainiere. Entsprechend gross meine Motivation, auf diesen Pässen und Strassen ein Ultracycling-Rennen zu fahren.
Der Start erfolgte gleich mit der Steigung hoch nach Davos, via Nebenstrasse mit viel Schotter. Ich fand meinen Rhythmus und fuhr zügig in den Albulapass rein. Auf dem Albulapass - mein Lieblingspass in der Schweiz - konnte ich eine gute Pace fahren und erreichte die Passhöhe in sehr guter Verfassung. Nach der Abfahrt hiess es die Rollerqualitäten auszupacken. Von La Punt bis nach Martina, das gesamte Engadin runterrollen stand nämlich als nächstes an. Es begann warm zu werden. Meine Pace war gut. In Martina ging es dann gleich in den Aufstieg, welcher nach Nauders führt. Dort hatte ich schon im Vorfeld geplant einen Supermarkt-Stop einzulegen, was ich auch machte. Nach kurzer Pause machte ich mich auf dem Weg in Richtung Prad am Stilfserjoch. Diese Gegend kannte ich noch nicht. Einige schmale Radwege, ein kurzer Schotter-Abschnitt und ganz schöne Landschaften mit zwei Seen. Nach zügiger und langer Abfahrt war ich dann in der Anfahrt zum Stelvio. Ich merkte, dass ich sehr warm habe und bemerkte, dass mein Magen langsam dicht macht. Kurze WC-Pause und los ging es in den Stelvio.
Ich fand den Tritt irgendwie nicht mehr. Die Meter und Kilometer fühlten sich mühsam an. Dabei hatte ich noch keine 200km in den Beinen. Ich konnte meine Nahrung aufgrund Appetitlosigkeit und leichter Übelkeit nicht mehr richtig aufnehmen. Es fühlte sich nicht gut an und während dem Aufstieg kamen dann Probleme beim linken Knie dazu. Ich spürte ein Schmerz im Knie und sah auf meinem Radcomputer die Links-Rechts-Powerbalance: 40%-60%. Da stimmt was nicht. Macht es Sinn so weiterzufahren? So früh im Rennen schon mechanische Probleme mit dem Knie? Wie fahre ich energetisch so weiter?
Ich entschied oben am Stelvio angekommen das Rennen abzubrechen. Ein weiteres DNF. Ein schmerzhaftes DNF, weil ich auf diesen Strassen super motiviert war, ein tolles Ergebnis zu fahren. Ich lag zu diesem Zeitpunkt zudem super im Rennen an 6. Position Overall. Aber ich hörte auf mein (krampfendes) Bauchgefühl. Ich fuhr noch runter ins Val Müstair und nahm die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück nach Klosters in Angriff.
Es war keine leichte Entscheidung, aber die richtige. Nach 200km und knapp 5‘000hm stieg ich aus um mein Knie nicht weiter zu belasten. Das linke Knie war auch schon in der Vergangenheit aufgefallen. Immer in Kombination mit sehr langen Fahrten mit vielen Höhenmeter. Es gilt dem nachzugehen um zukünftig schmerzfrei solche Wettkämpfe mit vielen Höhenmeter schmerzfrei zu bewältigen.
Es war bis dorthin ein tolles Erlebnis. Leider ein DNF, aber ganz viele Learnings. Ich bin zu offensiv gefahren, sodass mein Magen mit der Hitze keine Lust mehr hat richtig zu funktionieren und mein Knie hat mir ein Zeichen gegeben. Insgesamt sind fast 40% nicht ins Ziel gefahren, was doch eine sehr hohe Quote ist.