Tortour Myself 24h

Nach dem DNF beim Race Across Switzerland wollte ich zuerst schauen, wie sich mein Knie entwickelt. Erfreulicherweise beruhigte sich die Situation relativ schnell - was mir nochmals bestätigte, dass das DNF die richtige Entscheidung war, um grössere Probleme mit dem Knie zu vermeiden. Ich wollte meine gute Radform bei einem Ultra-Cycling Rennen noch dieses Jahr unter Beweis stellen und ein tolles Ergebnis fahren. Für mich. Ich brauchte das.

So meldete ich mich noch sehr kurzfristig bei der Tortour an. Doch noch ein Start an der Tortour dieses Jahr - zum vierten Jahr in Folge! Und für mich eine Premiere über das Rennformat Tortour Myself 24h. Im Prinzip ein 24h Zeitfahren auf einer 50km Runde rund um Schaffhausen. Jede abgeschlossene Runde innerhalb der 24h zählt für die Rangierung. Das ganze ist entsprechend Unsupported und logistisch sehr unkompliziert - ich hatte mein Rucksack mit meinen Sachen beim Start und Ziel und konnte alle 50km darauf zugreifen. Zudem hatte es dort auch noch eine offizielle Verpflegungsstation die 24h lang bedient war. Echt cool!

Der Startschuss fiel am Freitag um 17:00 Uhr. Wow war das eine Hitze. Wieder einmal dieses Jahr. Ich wollte von Anfang an strikt konservativ fahren, um meinen Magen ruhig zu halten und in der Hitze meine Körpertemperatur nicht unnötig noch mehr zu erhitzen. Dies gelang mir ziemlich gut. Der Puls war zu Beginn schon höher als erhofft, aber die Hitze machte es fast nicht möglich, ihn tiefer zu halten. Ich blieb ruhig und zog mein Plan weiter.

Die Strecke war mehrheitlich wellig und rollend, sodass ein hohes Tempo gehalten werden konnte. Gegen Schluss der Runde warteten aber jeweils drei Aufstiege, welche mit jeder Runde länger und steiler wirkten. Die 50km hatten insgesamt 560hm.

Nach den ersten zwei Runden fühlte ich mich sehr gut, merkte aber, dass die Hitze ein paar Spuren hinterliess. Ich entschied mich für eine 20-25min Pause, um mich abzukühlen. Das war eine gute Entscheidung. Ich konnte mich spürbar abkühlen und startete dann in die Nacht. Und da hatte ich richtig grossen Spass. Ich fuhr die ganze Nacht durch, hatte mega Spass und fuhr eine sehr solide Pace, ohne zu übertreiben. Bis Kilometer 350, also bis und mit Runde 7, lief alles wunderbar. Dann kamen die frühen Morgenstunden und ich merkte die Müdigkeit. Nach der siebten Runde machte ich eine längere Pause bei Start und Ziel. Ich musste mich sammeln. Das war der grösste Tiefpunkt meines Rennens. Es fühlte sich so anstrengend an, wieder auf eine weitere Runde zu gehen. Ich hatte tausend Gründe dort einfach auszusteigen.

Ein kurzes Gespräch mit einem anderen Athleten, etwas Essen & Trinken und ich setzte mich wieder auf‘s Rad und es ging weiter. Genau diese Momente zeichnen für mich Ultra-Cycling Rennen aus. Wenn man nicht mehr daran glaubt auch nur einen Meter weiterzufahren, man sich dann aber sammelt und weiterfährt, wächst man als Athlet und verschiebt die eigenen Grenzen. Genau wegen diesen Momenten, auch wenn sie weder schön noch lustig sind, fasziniert mich diese Sportart und begeistern mich diese Rennen. Und danach sieht die Welt schon wieder anders aus. Ich kam mit jedem weiteren Kilometer wieder in einen guten Tritt. Die Pace war nicht besonders schnell, weil die Temperaturen wieder anstiegen und ich mich entsprechend mit dem Pacing anpasste. Ich konnte so ohne Magenprobleme bis ins Ziel fahren - für mich das erste Ultra-Cycling Rennen-Finish ohne Magenprobleme. Alleine das ist für mich ein riesiger Erfolg.

Schlussendlich fuhr ich 10 Runden ganz fertig in rund 22h30min. Nach 500km war meine Tortour Myself 24h entsprechend fertig, denn die Zeit hätte für eine weitere Runde nicht mehr gereicht. Ich finishte das Rennen auf dem 12. Platz Overall.

Ich bin super happy über diese Performance: vom Management der Hitze, dem Überstehen einer grösseren mentalen Krise sowie dem Vermeiden von Magenproblemen. Es ist schön zu sehen, dass bei diesem Rennen sehr viele Learnings aus den DNF‘s der letzten Jahre zusammengekommen sind, um mein erstes Unsupported Ultra-Cycling Rennen erfolgreich über die Bühne zu bringen. So kann es weitergehen!

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Race Across Switzerland